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Begegnung lädt zum Tanzen ein
Als eine Einladung zum Tanzen, Aber der gemeinsame Tanz, wie
so können Begegnungen zwi- kurz er auch gewesen war, hat
schen Menschen gestaltet wer- Verbundenheit geschaffen, wir
den. haben gemeinsam Freude ge-
Die gereichte Hand wird an- schmeckt.
genommen, ein gemeinsamer Bevor wir „zum Tanz einladen“
Schritt gesucht, der Rhythmus sehen wir uns zunächst, nehmen
gefunden. Man dreht und wen- wir uns überhaupt wahr und tre-
det sich gemeinsam, gibt sich ten aufeinander zu.
frei, findet sich wieder. Mimik, Wie treten wir jemand gegen-
Gestik, Bewegung, Tempo fin- über?
den sich zu einer Musik des Le- Wie stark beeinflusst uns unser
bens. irgendwie immer schon vorhan-
Allerdings weiß auch jeder, der denes Bild vom andern, auch
eine konventionelle Tanzstunde wenn wir uns zum ersten Mal ge-
miterlebt hat, dass eine Einla- genüberstehen und es zum ersten
dung, eine Aufforderung zum Mal spontan angesprungen ist?
Tanz nicht angenommen werden
muss. Siehe auch die ge|halt|voll-Aus-
Der/die Aufgeforderte kann gabe 3.2.
nicht wollen, man gibt, bzw. er- „Unsere Bilder von anderen öff-
hält einen Korb, warum auch im- nen“
mer. Vielleicht gefällt man dem
anderen nicht, vielleicht will der Und wir selbst? Sind wir selbstbe-
andere gerade nicht tanzen. Oder wusst, ängstlich, desinteressiert,
man ist schon für den nächsten ausweichend, fordernd, aggressiv,
Tanz vergeben. …?
Um was geht es in dieser Was glauben wir - ob wir uns
ge|halt|voll-Ausgabe? dessen bewusst sind oder nicht -,
Wenn wir jemand treffen, fremd wie wir auf andere wirken?
oder vertraut, bieten wir die Wor- Ich behaupte, wir wirken besser
te, Themen, Fragen, Ideen wie auf andere, als wir denken!
eine Hand zum Tanz an. Wird
sie angenommen, dann kann of-
fenbleiben, wie viele Tanzschritte
gelingen.
Danach darf sich auch wieder der
Alltag von Beziehungen fortset-
zen oder eine tiefere Begegnung
entstehen.
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